Ein Zwölf-Kilometer-Lauf zum zwölfjährigen Jubiläum

Ihre Leidenschaft für das Laufen hat ihr den Spitznamen „Laufmaus Elke“ eingebracht. Dieser Sport gehört zum Leben von Elke Weisener, so lange sie denken kann. In ihrer Jugend nahm die heute 66-jährige Falkenseerin das Laufen so ernst, dass sie beim TSC Berlin auf die Sportschule gegangen ist und dem Olympia-C-Kader für die Mittel- und Langstrecke angehörte. Später bestritt sie regelmäßig Marathonläufe, auch Distanzen von 50 oder 100 Kilometer, sogar unter Tage in einem Kali-Bergbauschacht in 700 Metern Tiefe, waren für Elke Weisener keine Seltenheit.

In Berichten in der Presse und im Fernsehen wurde sie oft mit dem deutschen Wirtschaftswunder-Auto verglichen, das „läuft und läuft und läuft“. Im Jahr 2014 hat Elke Weisener zum 100. Mal die klassische Marathon-Distanz von 42,195 Kilometern absolviert. „Danach habe ich aufgehört, die Marathonläufe zu zählen.“ Die Zeiten haben sich etwas gewandelt. Heute sind ihre Strecken meist kürzer, wichtiger ist ihr vor allem die Regelmäßigkeit des Sporttreibens. „Ich trainiere nicht mehr, um Rekorde und Siege um jeden Preis zu erringen. Ich laufe aus Spaß und nur deshalb.“ Als sie jüngst von einer Zeitung gefragt wurde, wie lange sie das noch machen möchte, sagte sie: „Ich mache das, bis ich beim Laufen tot umfalle.“ Am gestrigen Donnerstag feierte Elke Weisener übrigens ein Laufjubiläum. Am 24. September 2008, also genau vor zwölf Jahren, hat sie sich dem Streak-Running, zu Deutsch dem Täglichlaufen, verschrieben. „Eine Lauffreundin hat mich damals beim 100-Kilometer-Lauf in Biel in der Schweiz darauf aufmerksam gemacht, dass es so etwas gibt. Und seitdem mache ich das“, so Elke Weisener. Streak-Running ist eine Laufvariante, die in den USA begründet wurde. Sie bedeutet, dass der Athlet jeden Tag zwischen 0 und 24 Uhr eine Mindeststrecke von einer Meile, das sind rund 1,6 Kilometer, zurücklegen und entsprechend dokumentieren muss. Das geschieht auf speziellen Internetseiten.

Der Streak von Elke Weisener läuft also seit exakt 4384 Tagen. Dabei hat sie insgesamt 31 977 Kilometer zurückgelegt, das sind 7,29 Kilometer im Schnitt pro Tag. Damit ist die Falkenseerin aktuell Erste in der Weltrangliste der Frauen und liegt in der deutschen Rangliste auf Platz drei. Bisher hat Elke Weisener also zwölf Jahre nicht einen Tag Laufen wegen Krankheit oder aus anderen Gründen versäumt. Wäre das der Fall, dann ist der Streak beendet und muss von vorne begonnen werden.

In diesem Jahr konnte selbst die Coronakrise mit ihren Beschränkungen oder der unerwartete Tod ihres geliebten Ehemanns Elke Weisener nicht vom Täglichlaufen abhalten. Im Gegenteil, auch in der Trauer spendete ihr der Sport Trost. Denn eine ihrer Strecken führt sie an seinem Grab vorbei und dann, so sagt sie, „freue ich mich, dass er mich sehen kann“.

An ihrem Streak-Runner-Jubiläumstag am Donnerstag musste Elke Weisener kurzfristig umplanen, denn am Vormittag musste die freiberufliche Fitnesstrainerin (mit Lizenz) kurzfristig einen Rückenfit-Kurs in Falkensee leiten. Danach begab sie sich dann auf die dem „Jahrestag“ angepasste Zwölf-Kilometer-Laufstrecke rund um die beiden Falkenhagener Seen. „Das war diesmal etwas anstrengender als sonst“, meinte sie hinterher.

Etwas schade fand es Elke Weisener, dass sie sich in diesem Jahr wegen Corona nicht so oft wie sonst mit ihren Lauffreunden bei traditionellen Veranstaltungen treffen konnte. „Es ist ja fast alles abgesagt worden“, meinte sie. Umso schöner war es für sie am vorigen Wochenende, als sie auf Usedom wieder einen Halbmarathon laufen konnte. Und auch jetzt steht schon fest, dass Elke Weisener am 1. November den New-York-Marathon bestreiten wird, allerdings nur virtuell.

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